Es berichtete: Eschweiler Nachrichten vom 18.06.07

Musik ist die Sprache, die alle Nationen verstehen

Eschweiler hat keinen Platz für Rassismus:
Berufskolleg-Schüler erarbeiten gemeinsam mit dem Eschweiler Künstler und Musiker
Paul Santosi das Anti-Rassismus-Projekt "Clickboom". Bürgermeister Bertram begeistert.

Eschweiler. Dass Eschweiler keinen Platz für Rassismus hat, belegen die Schilder an den Ortseingängen. Dass man diese Idee aber auch mit Leben erfüllen sollte, war die Grundidee beim Anti-Rassismus-Projekt des Berufskollegs an der August-Thyssen-Straße.
Gemeinsam mit dem Eschweiler Journalisten, Musiker und Künstler Paul Santosi sollten die schöpferischen Talente der Schüler dreier Handelsschulklassen in das Projekt - unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Rudi Bertram einfließen. Rassismus ist ein Phänomen, das auch an Schulen immer häufiger Verbreitung findet. In einem etwas anderen Unterricht unterhielten sich die Schüler daher zunächst über ihre eigenen Erfahrungen. Dabei wurde deutlich, dass Rassismus in vielerlei Formen auftritt und Opfer anderer Hautfarben, Religionen oder Geisteshaltungen trifft. Selbst Geschlechterdiskriminierung als eine Form von Rassismus ist den jungen Leuten bekannt.
Um das Thema inhaltlich aufzugreifen und mit den Schülern zu erarbeiten, entschieden sich Paul Santosi und Lehrer Thomas Quilitz für "die Sprache, die jeder versteht": nämlich die Musik. "HipHop-Musik und Rap unterliegen zwar vielen Klischees, fest steht aber, dass Sprechgesang als Ausdrucksform bei Jugendlichen nach wie vor hohe Glaubwürdigkeit besitzt", weiß Santosi. Da einige Schüler bereits als Rapper erste bemerkenswerte Gehversuche unternommen haben, diente genau das als Grundlage. So entstanden zunächst der Grund-Beaat sowie die Strophen-Textelemente des Songs "Clickboom". Gesungen beziehungsweise gesprochen wurde vorwiegend auf Deutsch, eine Strophe entstand in russischer Sprache.

Den Chorgesang als Kontrastpunkt zu den greimten Strophen der Jungen entwickelten die Mädchen. Vor allem im Refrain steckt die Botschaft des Songs: die Motive für Rassismus sind bei näherem Hinsehen rational nicht erklärbar. Die Mischung aus Unzufriedenheit mit den eigenen Lebensumständen wird gepaart mit Fremdenfeindlichkeit und Aggression zu einem gefährlichen Cocktail.
Für das Projekt gab es am Freitag im Rathaus Lob von allen Seiten: "Ich finde es absolut bemerkenswert, dass Ihr unseren Slogan "Eschweiler hat keinen Platz für Rassismus" so mit Leben gefüllt habt", freute sich Rudi Bertram.
Das Ergebnis "Clickboom" ist zum größten Teil der eigenen schöpferischen Leistung der 20 Schüler zuzuschreiben. Klassenzimmer zum mobilen Tonstudio umfunktioniert hat Paul Santosi. "Ich habe eine Menge Hochachtung vor den Kollegen, die den harten Lehralltag etwa in Mathe oder Deutsch bestreiten. Aber die Wirkung von Musik und ihr Motivationseffekt wird nach wie vor unterschätzt. Musik wirkt direkt auf die Emotionen der Zuhörer. Botschaften lassen sich viel besser transportieren!"
Ein Modellprojekt, das Schule machen kann, findet auch Reinhard Ernst, Schulleiter des Berufskollegs. "Denn in einem Kolleg, das von Schülern aus 29 Nationen besucht wird, kann Musik ein ganz wichtiges verbindendes Element sein. Junge Leute, die miteinander Musik machen, streiten sich nicht. Musik ist ein wirksames Mittel gegen Rassismus und Diskriminierung."
Aus diesem Grund soll das erste Projekt dieser Art in Eschweiler auch an den anderen weiterführenden Bildungseinrichtungen im wahrsten Sinne des Wortes Schule machen. (dmü)