Bericht der Eschweiler Nachrichten vom 21.05.2004, Jutta Geese

 

Mathematik von Stadt und Kreis: 5 + 4 = 1

Fusion der Berufskollegs ist in trockenen Tüchern.
Schulausschuss verabschiedet einstimmig Satzung. Geringer finanzieller Gewinn.

Kreis Aachen. Es kommt nicht alle Tage vor, dass sich ein Kreistagsausschuss gleichsam selbst seiner Aufgaben beraubt und sich überflüssig macht. Der Schulausschuss des Kreises hat dies jedoch jetzt mit seinem einstimmigen Beschluss zur Überführung der kreiseigenen Berufskollegs in einen Schulverband von Stadt und Kreis Aachen getan - und die Politiker aller Fraktionen freuten sich. Denn auch in dem neuen Schulverband, der seine Arbeit zum 1. September aufnehmen wird, sehen sie die Qualität er beruflichen Bidung ingleichem Maße gewährleistet, wie sie der Kreis jahrzehntelang fraktionsübergreifend entwickelt hat.
In den monatelangen Verhandlungen zwischen Stadt und Kreis sei es gelungen, "wechselseitige Vorurteile, Überheblichkeiten und Ängste auszuräumen", erklärte Kreistagsabgeordneter Werner Schneider (CDU). Und: "Sieger und Besiegte gibt es nicht." Das betonte auch SPD-Fraktionschef Josef Stiel, dem wichtig ist, dass der Schulverband offen für weitere Mitglieder ist, die Schließung eines Kollegs nur mit qualifizierter Mehrheit (zwei Drittel der Stimmen) möglich ist und durch die Installation eines Schulausschusses im Schulverband "die Qualität der Diskussion, wie wir sie im Kreis immer geführt haben, erhalten bleibt". Dass die erhofften finanziellen Synergieeffekte erst einmal nicht einträten, der Kreis gar für Informationstechnologie mehr zahlen müsse, sei "kein Grund, den Zusammenschluss abzulehnen". Ausdrücklich dankte er dem Ausschussvorsitzenden

Hans-Josef Hilsenbeck (CDU) für seine "hervorragende" Arbeit, gerade bei den Diskussionen um die Fusion. Ulrich Göbbels (FDP) und Werner Krickel (Grüne) unterstrichen die Einschätzungen von Schneider und Stiel.
Ausführlich hatte zuvor die Verwaltung die Auswirkungen der Fusion erläutert. Die Satzung sei mit der Bezirksregierung abgestimmt und werde, nachdem sie vom Kreistag am 27. Mai und vom Aachener Stadtrat am 23. Juni beschlossen sei, bis zum 25. Juli genehmigt. Die konstituierende Sitzung des Schulverbandes finde dann Ende August statt.
Kämmerer Egon Metten erklärte den Politikern die Finanzierung der Fusion: 17,5 Millionen Euro Kosten verursachen die neun Kollegs. Da die Gebäude im Besitz von Stadt beziehungsweise Kreis bleiben, tragen sie auch die damit verbundenen Kosten in Höhe von rund 10,7 Millionen Euro. Bleiben etwa 6,7 Millionen, die per Umlage von Stadt (60 Prozent) und Kreis (40 Prozent) an den Schulverband gezahlt werden müssen. Auf die Stadt entfielen also vier Millionen, auf den Kreis 2,7 Millionen Euro. Für die Stadt Aachen hieße das, sie müsste für die Kollegs 284 000 Euro mehr als bisher zahlen, der Kreis dagegen würde 396 000 Euro sparen. In einem komplizierten Verfahren werden diese finanziellen Nach- oder Vorteile jedoch ausgeglichen. Unterm Strich haben beide einen kleinen "Gewinn": Jeder spart durch die Fusion 56 141 Euro im Jahr.

Der Kreis Aachen bringt seine vier Berufskollegs mit fünf Standorten in den Schulverband ein, die Stadt Aachen ihre fünf Berufskollegs. Derzeit werden insgesamt 17 942 junge Leute an den Kollegs unterrichtet - im Kreisgebiet 6 860 Schülerinnen und Schüler, in der Stadt Aachen 11 082.

Die Grundstücke und Gebäude des Kreises Aachen haben einen Wert von 68,6 Millionen Euro, die der Stadt Aachen von 82,3 Millionen Euro. Sie werden nicht an den Schulverband übertragen, sondern an ihn vermietet. Der Quadratmeterpreis liegt bei etwa 4,36 Euro.