|
Kreis Aachen. "Jedes Mal, wenn ich zum Kreis komme, regnet es", flachste Aachens Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden. Doch während es draußen wie aus Kübeln goss, herrschte drinnen eitel Sonnenschein. Nachdem der Kreistag (nach längeren Querelen im Vorfeld) und der Stadtrat Aachen im Frühsommer jeweils einstimmig die Gründung eines Schulverbandes für die neun Berufskollegs von Stadt und Kreis beschlossen hatten, wickelte die erste Schulverbandsversammlung gestern im Kreishaus ebenso einstimmig die Formalia zur Konstituierung des neuen Zweckverbandes ab. Zum Vorsitzenden der Verbandsversammlung wurde Aachens Beigeordneter Dr. Friedel Erlenkämper gewählt, zum Verbandsvorsteher Landrat Carl Meulenbergh.
Noch ein langer Weg
Morgen nimmt der Schulverband seine Arbeit auf, ist dann für die berufliche Bildung von rund 18 000 jungen Menschen in der Region zuständig. Als "Gebot der Vernunft" bezeichneten Linden und Meulenbergh die Fusion der Berufskollegs, die laut Linden "nicht ganz einfach war" und für die in den Kollegs bei Lehrern, Schülern und Eltern "noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden muss". Der Zusammenschluss erfolgte aus der Überzeugung heraus, dass es richtiger sei, in Bildung zu investieren als in die Verwaltung, betonte Linden. Das unterstrich auch Meulenbergh. Der rasante technische Fortschritt zwinge Stadt und Kreis als Schulträger, ständig in die Ausstattung der Kollegs zu investieren,
|
neue Berufe erforderten dei Einrichtung neuer Fachklassen. Dies könne kein Schulträger mehr allein bewältigen. Um die bisherige Qualität der Berufskollegs halten oder gar steigern zu können, sei die Zusammenarbeit von Stadt und Kreis unabdingbar. Nur so könnten Doppelinvestitionen vermieden und ein innovatives Bildungsangebot gewährleistet werden. Der "Schulverband in der StädteRegion Aachen", so die offizielle Bezeichnung, ist zwar jetzt Träger der neuen Berufskollegs an zehn Standorten, nich aber Eigentümer der Gebäude. Die bleiben in Besitz von Stadt beziehungsweise Kreis, die damit auch künftig für sämtliche gebäudebezogenen Kosten in ihrem Zuständigkeitsbereich aufkommen. Für Aachen sind das rund sechs Millionen Euro im Jahr, für den Kreis knapp 4, 7 Millionen. Alle anderen Aufwendungen, dazu gehören die Ausgaben für Personal, Verwaltung, Schulausstattung, Lernmittelfreiheit, Schülerfahrtkosten und EDV, in Höhe von insgesamt rund 6,7 Millionen Euro laufen über den Schulverband - und der holt sich das Geld von seinen beiden Gesellschaftern. Laut Satzung müsste Aachen 60 Prozent (vier Millionen Euro) zahlen, der Kreis 40 Prozent (2,7 Millionen). Damit aber wäre die Fusion für die Stadt ein Verlustgeschäft, sie müsste 284 000 Euro mehr zahlen als die Berufskollegs bisher kosten, während der Kreis 394 000 Euro sparen würde. Deshalb werden diese finanziellen Vor- oder Nachteile ausgeglichen. Unterm Strich machen Stadt und Kreis nun sogar einen kleinen "Gewinn": Sie sparen je 56 000 Euro pro Jahr.
|