Es berichteten die Eschweiler Nachrichten
am 09. Dezember 2003

 

Richtkranz schwebt schon über Berufskolleg

Kreis Aachen ist mit Erweiterung in Eschweiler der Zeit voraus


von Udo Kals

Eschweiler.
Manchmal ist man seiner Zeit voraus. Wie etwa Ewald Dahmen. Gerade hatte der Polier den Richtspruch gesprochen und "ein Hoch auf unser Werk" ausgerufen, da drehte er sich verdutzt um: "Ja wo ist denn der Richtkranz?" Der schlummerte da noch an einem Kran hängend im Schatten des Erweiterungsbaus des Berufskollegs des Kreises Aachen in Eschweiler. Doch nicht mehr lange. Flugs wurde er gestern unter dem Beifall der zufriedenen Gäste in das Rampenlicht des sonnigen Vormittags gehievt. Es ging schnell voran.
Auch der Bau ist seiner Zeit voraus. Satte 14 Tage liegen die Arbeiten vor dem vertraglich vereinbarten Rahmenplan, stellte Joachim Nesseler, Geschäftsführer des Ko-Investors "Nesseler Grüzig Bau" aus Aachen fest. Ein "eher seltener" Umstand, wie Landrat Carl Meulenbergh hinzufügte. Im Mai wurde mit den Arbeiten begonnen, und zum nächsten Schuljahr sollen die rund 2150 Schüler die acht Klassen, sechs Computer- und vier Laborräume samt Cafeteria nutzen können.

Und so harmonisch wie die Verantwortlichen das bislang perfekte Zeit-Management lobten, gingen sie auch mit dem Projekt als solches um. Denn auch damit ist der Kreis der Zeit ein wenig voraus: Schließlich ist das Bauvorhaben an der August-Thyssen-Straße Neuland. Zum ersten Mal lässt der Kreis ein Gebäude im Rahmen eines europaweit ausgeschriebenen Privat-Investorenmodells errichten. Von der Kooperation - "Nesseler Grünzig Bau" und "Südleasing" liefern Planung, Bau und Finanzierung aus einer Hand, der Kreis hat die Oberbauleitung - ist Nessler angetan. "Das ist kein übliches Bauprojekt, und die Zusammenarbeit ist erste Klasse", lobte er das so genannte "Public Private Partnership". Von dieser öffentlich-privaten Partnerschaft profitieren auch Mittelständler in der Region. Das ist vertraglich festgelegt. Sechs Unternehmen aus dem Kreis und vier aus der näheren Umgebung waren bislang am Rohbau beschäftigt. In den nächsten Wochen werden noch weitere Ausschreibungen folgen.
Vom bisherigen Rohbau-Ergebnis ist auch der Landrat begeistert, und der blickt direkt in die Zukunft: "In diesem schönen und modernen Bau wird Lernen auf hohem Niveau möglich sein. Ich hoffe auch, dass es Spaß machen wird."

 

"Gute Rechnung" mit Investoren-Modell

Öffentliche Hand könnte nicht so schnell und preiswert bauen


Eschweiler. Großprojekte können von den Kommunen auf Grund der dramatischen Haushaltslage kaum noch bezahlt werden. Als ein Zeichen für "unsere Städte und Gemeinden, wie man Zukunftsinvestitionen in der momentanen Lage umsetzen kann", wertet Landrat Carl Meulenbergh die "Public Private Partnership" im Fall des Eschweiler Berufskollegs. Bei diesem Leasingmodell, das am 13. Februar diesen Jahres vereinbart wurde, übergab der Kreis Aachen Planung, Bau und Finanzierung des Gebäudes an private Unternehmen ("Nesseler Grünzig Bau" sowie "Südleasing") und zahlt das Geld in Raten zurück. Für Kreis-Baudezernent Uwe Zink ist dies ein "optimales Finanzierungsmodell", das zahlreiche Vorteile bringe. Neben personeller Entlastung auch finanzielle Einsparungen. So seien die Baukosten mit 6,5 Millionen Euro um rund 15 Prozent niedriger als der erste Verwaltungsentwurf. Für den Kreis fällt laut Bauamtsleiter Hubert Philippengracht zunächst eine jährliche Leasingrate von 300.000 Euro an.

Im Jahr 2033 geht das Gebäude mit einer Schlusszahlung, die mindestens zehn Prozent des Restwertes betragen muss, in den Besitz des Kreises über. Für die Laufzeit wurde ein Festzins von unter 4,5 Prozent vereinbart. Zink: " Bei diesem Angebot haben wir sofort zugeschlagen." Für den Dezernenten ist das Investorenmodell eine "gute Rechnung".

Dass neben der Erweiterung des Kreishauses, die auf einem ähnlichen Modell basiert, weitere Projekte in dieser Form angegangen werden, hält Philippengracht für möglich. Zwar nicht für Sanierungsmaßnahmen, aber durchaus bei Neubauten. Zwei Gründe nennt er. Zum einen würden sich "Bauten in öffetnlicher Hand immer verteuern" - die Erweiterung des Berufskollegs liegt nach Investorangaben bislang mit nur 40.000 Euro weniger als ein Prozent über den veranschlagten Kosten. Zum anderen könne ein solcher Bau wegen der Ausschreibung der Gewerke und den vielen beteiligten Ausschüssen nicht so schnell realisiert werden. (udo)