Berufskollegs: Schließung ist vom Tisch

Städteregionstag wird Punkt 1 aus dem Strukturkonzept am 27. Oktober wohl verwerfen. Schülerzahlen sind wider Erwarten stabil.

Die endgültige Entscheidung wird erst am 27. Oktober im Städteregionstag getroffen, doch es gibt kaum noch Zweifel daran, dass die Schließung von städteregionalen Berufskollegs zumindest vorerst vom Tisch ist. Zu klar sind die Positionierungen im Vorfeld, zu eindeutig die Absagen an die Überlegungen aus dem Strukturkonzept. Dort hatte Städteregionsrat Helmut Etschenberg im vergangenen Herbst unter Punkt 1 den Vorschlag unterbreitet, die Zahl der Berufskollegs 2020 von neun auf acht zu reduzieren und dafür vornehmlich eine der fünf Einrichtungen auf dem Gebiet der Stadt Aachen aufzugeben. Nach Berechnungen der Verwaltung könnte der städteregionale Haushalt mit dieser Maßnahme um bis zu drei Millionen Euro pro Jahr entlastet werden.

Berufskolleg
Der Bestand der neun Berufskollegs der Städteregion – hier die Mies-van-der-Rohe-Schule in Aachen – scheint gesichert zu sein. Foto: M. Grobusch

Breites Bildungsangebot

Das wäre zweifellos ein wesentlicher Beitrag zur angestrebten Konsolidierung. Allerdings hatte die Politik bereits im vergangenen Herbst erste Änderungen an diesem Vorschlag vorgenommen. So wurde die Festlegung auf ein zu schließendes Berufskolleg ebenso aufgehoben wie die Beschränkung auf die Aachener Standorte. Mittlerweile ist von all dem keine Rede mehr. Stattdessen hat sich offenbar die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Berufskollegs allesamt unverzichtbar sind, um auch in Zukunft ein breites Bildungsangebot sicherstellen zu können.

Das dürfte vor allem mit der Tatsache zusammenhängen, dass im Rahmen der Schulentwicklungsplanung für die Jahre 2014 bis 2019 von einem spürbaren Rückgang der Schülerzahlen ausgegangen worden war, dieser aber nicht eingetreten ist. Stattdessen stagnieren die Zahlen seit 2013 und bewegen sich um 19 000 herum – das sind über 1100 Schüler mehr als in der Schulentwicklungsplanung ursprünglich angenommen.

Zum Abschluss des Schuljahres 2015/16 besuchten nach Verwaltungsangaben exakt 18 945 Jugendliche und junge Erwachsene die städteregionalen Berufskollegs. Allerdings sind beim Blick auf die Statistiken durchaus lokale Unterschiede zu erkennen. So gab es beispielsweise am BK Eschweiler im Schuljahr 2015/16 fast 100 Schüler weniger als zwei Jahre zuvor (2543), am BK für Wirtschaft und Verwaltung in Aachen wurde ein Minus von 56 Schülern registriert (2104). Auf der anderen Seite gab es am BK Stolberg/Eschweiler einen Zuwachs von über 100 Schülern (2419), in Herzogenrath lag das Plus bei 64 (1317).

Nach Einschätzung der Verwaltung ändern diese Entwicklungen aber nichts an der Feststellung, „dass es keine Gefährdung eines Standortes aufgrund mangelnder Auslastung gibt“, wie der zuständige städteregionale Dezernent Gregor Jansen unterstreicht. Vielmehr seien die Berufskollegs mit ihrem Bildungsangebot gut aufgestellt. „Und alle Standorte werden benötigt. Deshalb besteht auch kein akuter Handlungsbedarf vor der planmäßigen Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung Ende 2018“, betont Jansen. Der Schulausschuss hat sich dem jetzt einstimmig angeschlossen.

In Sachen Handlungsbedarf hatte es zwischenzeitlich allerdings durchaus anders ausgesehen. Denn die Berufskollegs, die einen wesentlichen Beitrag bei der schulischen Integration von jungen Flüchtlingen leisten, waren durch den starken Zuzug von Hilfesuchenden im vergangenen Herbst und Winter an die Grenzen ihrer pädagogischen und räumlichen Kapazitäten gekommen. Im Schuljahr 2013/14 hatte es lediglich je eine Internationale Förderklasse (IFK) an der Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen sowie am Berufskolleg Stolberg gegeben. Zum Beginn des Schuljahres 2015/16 waren es dann schon 19, mittlerweile gibt es 35 – verteilt auf alle zehn Standorte. Ein weiterer Anstieg ist derzeit erkennbar. „Allerdings besteht in Fachkreisen Einigkeit darüber, dass die kommende Entwicklung nicht planbar ist“, erklärt Gregor Jansen.

In diesem Sinne steht auch die Empfehlung des Schulausschusses an den Städteregionstag unter einem gewissen Vorbehalt. Denn der Verzicht auf eine vorgezogene Schulentwicklungsplanung und damit auch der Bestandsschutz für die Berufskolleg gilt nur, wenn es bis Ende 2018 nicht zu dramatischen Veränderungen kommen wird. Deshalb will die Politik den Punkt 1 des Strukturkonzeptes auch nicht für endgültig erledigt erklären. „Wir möchten die Entwicklung weiter begleiten“, kündigt Wolfgang Königs (CDU) nach Rücksprache mit den anderen Fraktionen an. Eine Wiedervorlage ist derzeit zwar nicht absehbar, aber damit für die Zukunft auch nicht ausgeschlossen.

Weiterhin akuter Mangel an Schulsozialarbeitern

Nach der Absage des Landes, die von der Städteregion pro Internationaler Förderklasse geforderte halbe Stelle zu finanzieren, herrscht an den Berufskollegs weiterhin ein akuter Mangel an Schulsozialarbeitern. Vor den Sommerferien war aus Düsseldorf die Mitteilung im Städteregionshaus eingetroffen, dass lediglich die Finanzierung von zwei Schulsozialarbeitern möglich sei. Die übrigen 15 Stellen gibt es also bis dato nicht, auch wenn die Schulleitungen noch einmal aus- und nachdrücklich auf den Bedarf hingewiesen haben.

Das Thema soll nun im Zuge der Beratungen zum städteregionalen Haushalt 2017 wieder aufgegriffen werden. Darüber hinaus hat der Schulausschuss angeregt zu überprüfen, ob im Rahmen des vergangene Woche vom Landtag verabschiedeten Nachtragshaushaltes zusätzliche Mittel für die Städteregion akquiriert werden können.

Quelle: Eschweiler Zeitung vom 23. September 2016