Damit Schüler den richtigen Weg einschlagen

An den Berufskollegs der Städteregion gibt es nun auch Berufsorientierungstage. Ein mögliches Studium soll verstärkt in den Fokus gerückt werden.

Rund 19 000 Schüler besuchen derzeit die insgesamt neun Berufskollegs der Städteregion Aachen, an denen 34 unterschiedliche Schulabschlüsse möglich sind und 117 Ausbildungsberufe im dualen System begleitet werden. Am Berufskolleg Eschweiler haben sich die Verantwortlichen um Schulleiter Thomas Gurdon und die 115 weiteren Lehrer auf die Fahne geschrieben, die Berufs- und nun auch die Studierfähigkeit ihrer Schüler noch konsequenter zu fördern.

Berufsorientierungstage
Schreiben sich auf die Fahne, die Berufs- und Studierfähigkeit ihrer Schüler noch konsequenter zu fördern: Schulleiter Thomas Gurdon (vorne) sowie die Bildungsgangleiter Evi Spennes, Sascha Pütz, Dirk Kantlehner und Uwe Scheunemann (v. l.). Foto: Andreas Röchter

Weiterer Baustein

„Praktika und die Teilnahme an Ausbildungsmessen und -börsen wie etwa der ZAB gehören seit langem selbstverständlich zu unserem Schulprogramm. Als weiteren Baustein haben wir nun die Berufsorientierungstage hinzugefügt, an denen unter anderem die verschiedensten Ausbildungsberufe in unseren Vollzeitklassen vorgestellt werden. Das bedeutet konkret, dass Auszubildende ihre angestrebten Berufe Schülern näherbringen“, erläutert Thomas Gurdon.

Niederschwelliger Kontakt

Schließlich seien Lehrer und auch Schulleiter „zum Teil schon längere Zeit raus aus dem unmittelbaren Geschäft“, unterstreicht der Pädagoge augenzwinkernd. Doch neben der Berufsvorbereitung soll auch ein mögliches Studium der dann ehemaligen Berufskollegschüler verstärkt in den Blickpunkt rücken. „Unsere Schüler können das Schülerlabor der RWTH Aachen nutzen und damit einen ersten niederschwelligen Kontakt zur Universität knüpfen. Darüber hinaus sprechen wir in individuellen Gesprächen mit unseren Schülern und deren Eltern konkrete Studienempfehlungen aus. Ziel dieser Gespräche ist es auch, eventuelle Ängste vor der Universität zu nehmen“, so Thomas Gurdon, der keinesfalls verhehlt, dass die Initiative nicht gänzlich uneigennützig ausgeführt wird. Die „Zauberworte“ lauten dabei: Lehramt für Berufskolleg. Denn Lehrer für diese Schulform werden, auch vom Leiter des Berufskollegs Eschweiler, händeringend gesucht. Evi Spennes, Koordinatorin der „Zweijährigen Berufsfachschule FHR“ für die Fachrichtungen Wirtschaft und Verwaltung, ergänzt, dass der Beruf des Lehrers häufig ausschließlich mit dem Gymnasium oder der Grundschule in Verbindung gebracht werde. „Berufskollegs werden dagegen wenig wahrgenommen“, stellt sie fest. Dies gelte es zu verändern. Bei Schülern, aber auch bei zukünftigen Lehrern. Ein weiteres Pfund, mit dem das Berufskolleg Eschweiler in Zukunft wuchern könne, sei die Teilnahme am EU-Programm „Erasmus+“, die in Kooperation mit dem Berufskolleg Herzogenrath erfolge und den BKE-Schülern Auslandspraktika ermögliche.

Schüler motivieren

Generell dienten all diese Bemühungen dem Hauptziel, die Schüler noch zielgenauer an Ausbildung und Studium heranzuführen. „In unseren Beratungsgesprächen wird noch zu oft deutlich, dass Schüler den für sie persönlich falschen Weg eingeschlagen haben. Wobei diese Erkenntnis natürlich besser zu einem Zeitpunkt gemacht wird, an dem der Schüler noch das BKE besucht, als nach zehn Jahren Tätigkeit im ‚falschen‘ Beruf“, weiß Thomas Gurdon. Klar festzustellen sei, dass Schüler, die sich während des Besuchs des Berufskollegs bereits im Klaren sind, wohin der berufliche Weg führen soll, motivierter an ihre Aufgaben herangingen, berichtet Evi Spennes aus eigener Erfahrung. Und wie können die Schüler motiviert werden, die noch kein konkretes Berufsziel haben? „Durch die Erweiterung der Berufsfindungsphase zu Beginn des ersten Jahres unserer zweijährigen Bildungsgänge. Denn zu diesem frühen Zeitpunkt ist auch noch ein Bildungsgangwechsel innerhalb des Berufskollegs möglich“, gibt die Koordinatorin die Antwort.

Quelle: Eschweiler Zeitung vom 19. Januar 2017