Ob Moskau oder Wackersdorf: Der Doppel-Doktor weiß, was schmeckt. Schönheitsideal hin oder her.

Na, schmeckt‘s? Es schmeckt. Und wie! Kaum einer, der sich nicht einen zweiten Teller der duftenden Gemüsesuppe holt, die Bürgermeister Rudi Bertram, AWA-Chef Ulrich Koch und Sparkassen-Filialleiter Lothar Müller da auf der Marienstraße zum Nulltarif ausschenken. Gekocht hat sie Wam Kat. Der 58-jährige Limburger mit Wohnsitz bei Potsdam, Sohn eines Bildhauers, hat Kult-Charakter. Er war mit Greenpeace auf der legendären „Rainbow Warrior“ unterwegs, schmuggelte 20 Tonnen Saatgut ins umzingelte Sarajewo, bekochte 8000 Leute beim G8-Gipfel in Moskau mit „Wegwerf-Gemüse“, versorgte 15 000 Demonstranten am Atomkraftwerk Dodewaard wochenlang gratis mit biologisch-dynamischem Essen, schwang in Wackersdorf die Suppenkelle und schloss zudem ein Psychologie- und ein Soziologiestudium jeweils mit dem Doktortitel ab. Seit dem Morgen hat Pieter Jan Hendrik Fredrik „Wam“ Kat im Zelt vor der Sparkasse, unterstützt von Schülern des Berufskollegs, Gemüse geschnippelt. Gemüse aus regionalem Anbau, das zu krumm, zu schrumpelig oder einfach zu groß war für eine Vermarktung. Gemüse, das tonnenweise in der Müllverbrennungsanlage landet. Bundesweit landen jährlich 6,7 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, obwohl der überwiegende Teil noch genießbar ist. Wie das Brot vom Vortag, das eine Bäckerei für die Aktion spendete.

Dass auch krummes Gemüse eine gute Suppe ergibt, das bewies Wam Kat jetzt auf Einladung der AWA. 150 Liter deftige Suppe aus Kartoffeln und Lauch, Kürbis, Steckrüben, Zwiebeln und Ingwer dampften in den Töpfen. Für Kat eine „Kleinigkeit“. „Wir können bis 8- oder 9000!“ Besonders gefreut hat ihn gestern Morgen, dass zwischendurch sein Telefon klingelte. Am anderen Ende der Leitung: Bischof Heinrich Mussinghoff. Der hatte über die Internetseite unserer Zeitung von der Aktion erfahren und wünschte Kat Glück. Nicht von ungefähr: „Als wir mal in Aachen gekocht haben, ist er nicht bloß zum Fototermin aufgetaucht, sondern hat über fünf Stunden lang mitgeholfen!“

Die Aktion macht Appetit. Auch darauf, gegen die Lebensmittelverschwendung zu kochen. „Dabei können immer weniger Leute überhaupt kochen“, bedauert Wam Kat. „Die meisten gucken Kochshows im Fernsehen, futtern dabei Fertiggerichte des TV-Kochs aus der Mikrowelle und fühlen sich als Teil der Szene. „Richtig selber kochen? Nein danke. Dabei macht das Spaß. Auch mit krummem Gemüse.“ Fotos: Rudolf Müller

 

Lebensmittelverschwendung
Lebensmittelverschwendung
Lebensmittelverschwendung
Lebensmittelverschwendung
Lebensmittelverschwendung

Quelle: Eschweiler Nachrichten vom 27. November 2014