Ausbildung: Börse eröffnet Perspektiven

Immer mehr Unternehmen stellen sich bei der gemeinsamen Ausbildungsbörse von Eschweiler und Stolberg potenziellen jungen Mitarbeitern vor

Vor gerade einmal vier Jahren zählten die Organisatoren lediglich 30 Firmen. Am gestrigen Freitagmorgen stellten sich nun insgesamt 67 Ausbildungsbetriebe, Unternehmen und Institutionen im Rahmen der Ausbildungsbörse der Städte Eschweiler und Stolberg im Berufskolleg der Indestadt vor und gaben den Schülern beider Kommunen die Gelegenheit, sich einen Überblick über das breite Spektrum an Berufsfeldern und Ausbildungsmöglichkeiten zu verschaffen.

Ausbildungsbörse
Informationen aus erster Hand: Zahlreiche Schüler verschafften sich während der Ausbildungsbörse der Städte Eschweiler und Stolberg im indestädtischen Berufskolleg einen Überblick über das breite Spektrum an Berufsfeldern und Ausbildungsmöglichkeiten. Fotos: Andreas Röchter
Ausbildungsbörse
Informationen aus erster Hand: Zahlreiche Schüler verschafften sich während der Ausbildungsbörse der Städte Eschweiler und Stolberg im indestädtischen Berufskolleg einen Überblick über das breite Spektrum an Berufsfeldern und Ausbildungsmöglichkeiten. Fotos: Andreas Röchter

„Dieser Ausstellerrekord steht als Symbol für die Tatsache, dass sich der Arbeitsmarkt nicht nur gewandelt, sondern gedreht hat. Aktuell werden die Verantwortlichen in den Unternehmen von der Sorge getrieben, nicht genügend Auszubildende zu finden“, erklärte Thomas Gurdon, Leiter des Berufskollegs Eschweiler der Städteregion Aachen, zur Eröffnung der Börse.

An eine ganz andere Situation kann sich Bürgermeister Rudi Bertram noch lebhaft erinnern: „Der Arbeitsmarkt war quasi zu“, warf Eschweilers Verwaltungschef im Beisein seines Stolberger Amtskollegen Dr. Tim Grüttemeier einen kurzen Blick zurück in die noch junge Vergangenheit, um sich wenig später wieder der Zukunft zuzuwenden. Bei den Verantwortlichen in den Betrieben und Institutionen habe sich herumgesprochen, dass sich die Teilnahme an der Ausbildungsbörse lohne. „Das Ziel lautet, jungen Menschen Angebote zu unterbreiten und ihnen Perspektiven zu eröffnen“, so Rudi Bertram.

Die Vielfalt in dieser Hinsicht sei enorm. So bieten einige ausstellende Unternehmen ihren Auszubildenden an, Ausbildung und Studium im Rahmen eines „dualen Studiums“ zu kombinieren. Die Kooperationspartner Fachhochschule Aachen und die in Brühl beheimatete Europäische Fachhochschule waren deshalb ebenfalls während der Ausbildungsbörse vor Ort.

Gesellschaft driftet auseinander

„Die Betriebe werden insgesamt aktiver und öffnen sich. Sie kommen zu uns ins Haus und sind immer häufiger bereit, Praktikumsplätze zu vergeben“, berichtet Ingrid Wagner, die Leiterin des Berufskollegs Stolberg. Allerdings sieht Rudi Bertram ein grundsätzliches Zukunftsproblem in der beinahe ausschließlichen Konzentration auf den ersten Arbeitsmarkt.

„Was geschieht mit den Menschen, die nicht über die höchsten Qualifikationen verfügen?“, so seine bange Frage, die Markus Terodde, Dezernent der Städteregion Aachen, aufnahm. Das Grundsatzproblem sei „das Auseinanderdriften“ der Gesellschaft, die mehr und mehr akademisiert sei. Dadurch werde das Potenzial an der Spitze breiter, doch im mittleren und auch unteren Bereich breche vieles weg. „Die eigentliche Kernaufgabe der Berufskollegs ist die duale Ausbildung, die jedoch nur noch bei 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler erfolgt. Deutschland exportiert dieses System, lässt es aber im eigenen Land schleifen“, gab Markus Terodde zu bedenken. Lösungen seien nur gesamtgesellschaftlich herbeizuführen, sind sich die Organisatoren der Ausbildungsbörse einig.

Deren 15. Auflage wird mit Sicherheit im kommenden Jahr erfolgen. Dann im Berufskolleg Stolberg. Vielleicht hat bis dahin der eine oder andere junge Mensch einen Ausbildungsplatz in einem Betrieb gefunden, zu dem er gestern erste Kontakte knüpfte.

Quelle: Eschweiler Nachrichten vom 21. April 2018