Schulpartnerschaft besteht schon seit zehn Jahren

Die Schüler des Berufskollegs Eschweiler besuchen die Staatliche Hochschule im russischen Pskov. Toleranz und Freundschaft verbindet die Jugendlichen.

Dass die deutsch-russischen Beziehungen „im Kleinen“ nach wie vor gut funktionieren, zeigte wieder einmal der Besuch von Schülerinnen und Schülern des Berufskollegs Eschweiler mit ihrem Schulleiter Thomas Gurdon und den beiden Projektverantwortlichen Michael Joussen und Evi Spennes. Für eine Woche waren sie Gäste der Staatlichen Pskover Hochschule und des Polytechnischen Kollegs, mit denen seit nunmehr zehn Jahren eine Schulpartnerschaft besteht. Die diesjährige Projektarbeit, deren erster Teil im November 2014 in Eschweiler und an der Europäischen Akademie Otzenhausen stattfand, stand unter dem Titel „Europas Seele ist die Toleranz“ und wurde von der Stiftung Deutsch-Russischer-Jugendaustausch gefördert.

Schulpartnerschaft
Für eine Woche zu Gast in Russland: Schüler des Berufskollegs in Eschweiler besuchten Schüler der Staatlichen Pskover Hochschule. Die Schulpartnerschaft zwischen Eschweiler und Pskov besteht seit zehn Jahren.

 

Wiedersehen in Pskov

Die Schülerinnen und Schüler wurden in Pskov bei den Familien ihrer Gäste des Vorjahres untergebracht, so dass die Wiedersehensfreude nach dem Flug bis Sankt Petersburg und der fünfstündigen Busfahrt nach Pskov groß war. Bei winterlichen Temperaturen lernten die Teilnehmer am Wochenende neben der Stadt Pskov auch die nahe der Grenze zu Estland gelegene Festung Isborsk und das Kloster Petchory kennen. Ungewohnt für die Mädchen war sicher, dass sie in den orthodoxen Kirchen eine Kopfbedeckung tragen mussten – in Petchory war noch zusätzlich ein Rock gefordert.

Die Universität und das Polytechnische Kolleg standen dann ab dem Wochenanfang auf dem Programm. Nach einem Empfang bei Professor Demjanenko, dem Rektor der Hochschule, wurde die Struktur der Bildungseinrichtung in einem englischsprachigen Vortrag erläutert. In einem Treffen mit Lehrern und Schülern des polytechnischen Kollegs wurde dann nach weiteren Möglichkeiten der Zusammenarbeit gesucht. Das Kolleg ist ähnlich aufgebaut wie höhere Berufsfachschulen in Deutschland, weist nur noch mehr Berufssparten auf. Nach dem Mittagessen in der Mensa lernten die Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Seminars verschiedene russische Sitten und Gebräuche kennen und konnten ihre Eindrücke mit Deutschstudenten der russischen Lehrerin Olga Obratneva austauschen.

In den nächsten Tagen stand immer wieder Russisch-Unterricht auf dem Programm, der ebenfalls von den Gastgebern gestaltet wurde. Während einige feststellen mussten, dass Englisch viel einfacher zu begreifen ist, waren andere motiviert, auch das Lernen der russischen Sprache langfristig in Betracht zu ziehen. Ein weiterer Höhepunkt an der Hochschule waren sicherlich auch die im Vorfeld vorbereiteten Vorträge über den Umgang mit Rechtsextremismus in beiden Ländern, wobei die einhellige Meinung beider Nationen war, dass übersteigerter Nationalismus und Toleranz nicht miteinander zu vereinbaren seien und dass jedes Land eine Vielfalt der Kulturen und deren friedliches Miteinander anstreben sollte.

Das ergreifendste Symbol der deutsch-russischen Verbundenheit lernte die Gruppe jedoch mit dem Heilpädagogischen Zentrum von Pksov kennen, das 1993 von der evangelischen Kirchengemeinde gegründet wurde und in dieser Form einmalig in Russland ist. In den angegliederten Werkstätten wurden die 3000 „Pskover Engel“ aus Holz hergestellt, die während des Kölner Trauergottesdienstes für die Opfer des Germanwings-Flugzeugabsturzes verteilt wurden – ein Zeichen der Anteilnahme und Verbundenheit in schweren Zeiten.

Besuch im Venedig des Nordens

Nach der schon traditionellen Abschlussfeier in der Mensa der Hochschule, bei der in einer Präsentation ein Rückblick auf gemeinsame Projekte der vergangenen zehn Jahre vorgenommen wurde, ging es am darauffolgenden Tag nach Sankt-Petersburg. Es blieb leider nur ein knapper Tag, um das „Venedig des Nordens“ näher kennenzulernen, ehe das Flugzeug die Gäste wieder nach Deutschland zurückbrachte. Alle waren sich einig, dass Russland – und vor allem seine gastfreundliche und warmherzige Bevölkerung – mehr als nur eine Reise wert ist. Gerne aber im Sommer bei freundlicheren Temperaturen.

Quelle: Eschweiler Zeitung vom 28. Mai 2015