Lebensmittel: Wertschätzen statt wegwerfen

Statistisch wirft jeder Bundesbürger jedes Jahr 82 Kilogramm noch genießbare Lebensmittel weg. Ausstellung im Berufskolleg klärt Schüler auf.

Es ist eine Tatsache, die jedem Menschen die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte: Während in zahlreichen Entwicklungsländern Menschen nach wie vor am Hunger sterben, werden in den „hochentwickelten“ Industrienationen, so auch in Deutschland, Millionen Tonnen von Lebensmitteln vernichtet! Ein nicht unerheblicher Anteil dieser Verschwendung, nämlich 6,7 Millionen Tonnen im Jahr 2011, erfolgt in den privaten Haushalten. Um Menschen in Sachen „Umgang mit Lebensmitteln“ zu sensibilisieren, entwickelten die Verantwortlichen der AWA-Entsorgung-GmbH als regionales Unternehmen im Gebiet des Zweckverbands Entsorgungsregion West (Städteregion Aachen, Kreis Düren, Stadt Aachen) unter der Überschrift „Lebens(mittel)verschwendung - wertschätzen statt wegwerfen“ eine Ausstellung, die Ende Juni bereits im Eschweiler Rathaus zu sehen war (wir berichteten). Auf Initiative von Lehrerin und Schulseelsorgerin Dorothee Neubert war die Ausstellung nun zwei Tage lang im Berufskolleg Eschweiler zu Gast. Die Abfallberaterinnen Nicoll Parthey und Heike Stiller von der AWA sowie Sarah Göttlicher, Klimaschutzmanagerin beim Kooperationspartner Städteregion Aachen, führten insgesamt 16 Berufsschul- und Vollzeitklassen durch die interaktive Ausstellung, informierten, stellten und beantworteten Fragen der Schülerinnen und Schüler und gaben Tipps zum bewussten Einkauf, der sinnvollen Lagerung sowie der Haltbarkeit von Lebensmitteln.

 

Die richtige Lagerung
Die richtige Lagerung im Kühlschrank hat entscheidende Auswirkungen auf die Haltbarkeit von Lebensmitteln, erfuhren die Schüler des Berufskollegs beim Besuch der Ausstellung „Lebens(mittel)verschwendung - wertschätzen statt wegwerfen“. Foto: Andreas Röchter


„Wir haben den Zeitpunkt, diese Ausstellung hier im Berufskolleg zu zeigen, ganz bewusst unmittelbar vor die Herbstferien, das Erntedank- sowie das muslimische Opferfest gelegt, um die Schüler auf das Thema `Wertschätzung von Lebensmitteln´ aufmerksam zu machen“, erklärte Religionslehrerin Dorothee Neubert. „Darüber hinaus passt diese Ausstellung hervorragend zu unserem Konzept `Gesunde Schule´. Außerdem ist das Thema `Lebensmittelverschwendung´ so umfassend, dass es aus ethischer Sicht im Religions- und Politikunterricht, aus wirtschaftlicher Sicht im BWL- und VWL-Unterricht behandelt werden kann“, so die Pfarrerin. Als Einstieg in das Thema diente einigen Klassen der Dokumentarfilm „Frisch auf den Müll - die globale Lebensmittelverschwendung“ von Valentin Thurn. „Sehr eindringliche Bilder, die die Schüler sichtlich beeindruckten“, unterstrich Dorothee Neubert.

„Die Verantwortung, wie er mit Lebensmitteln umgeht, trägt jeder Mensch. Wie der Name schon sagt, sind Lebensmittel `Mittel zum Leben´ und sollten deshalb nicht verschwendet werden. Vielen Menschen ist jedoch nicht bewusst, dass der Großteil der Verschwendung in den privaten Haushalten stattfindet. Deshalb sprechen wir nicht die Discounter oder die Landwirtschaft als ganzes, sondern den einzelnen Verbraucher an. Schließlich liegt die Macht der Konsumenten darin, die Wahl zu haben, das Verhalten im Bezug auf Lebensmittel zu verändern“, machte Heike Stiller den Schülern klar. Diese hatten dann die Gelegenheit, selbst Hand anzulegen, indem sie Lebensmittel abwogen oder in den Kühlschrank einräumten.

Denn auch in dieser Hinsicht sollte einiges beachtet werden. „Oft kaufen wir schlicht und einfach zu viel ein! Deshalb ist es wichtig, den Einkauf zu planen. Welche Lebensmittel sind noch vorhanden, welche werden benötigt? Ein Einkaufszettel, an den man sich auch hält, ist eigentlich unumgänglich“, so Nicoll Parthey, die aus eigener Erfahrung weiß, „dass das Abwiegen von Lebensmitteln oft zu einem a-ha-Erlebnis führen kann“. Denn: „Auch die Kochportionen sind sehr oft zu groß“, so die Diplom-Biologin.

Tonnenweise
Tonnenweise landen durchaus noch brauchbare Lebensmittel in der Mülltonne. Wie man dies verhindern kann, erfuhren Schüler des Berufskollegs jetzt in einer sehenswerten Austellung. Foto: Stock/epd

Ein wichtiger Aspekt zur Verhinderung von Lebensmittelverschwendung sei auch der bewusste Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum im Vergleich zum Verbrauchsdatum. Letzteres gebe den tatsächlichen Zeitpunkt an, bis zu dem das Produkt aufzubrauchen sei.

Beim Mindesthaltbarkeitsdatum garantiere der Hersteller bei richtiger Aufbewahrung und ungeöffnet lediglich einen geschmacklich und auch optisch gleichbleibenden Zustand des Produktes. „Durch sehen, riechen, schmecken, tasten sowie den Einsatz des Verstandes kann der Verbraucher den tatsächlichen Zustand des Lebensmittels eigenständig überprüfen. Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen, heißt dies also nicht zwangsläufig, dass das Lebensmittel nicht mehr genießbar ist“, verdeutlichte Heike Stiller.

Sarah Göttlicher wies abschließend auf den Zusammenhang zwischen dem Verbrauch von Lebensmitteln und dem CO2-Ausstoß (Kohlenstoffdioxid) hin. „Jeder Einzelne sollte sich Gedanken machen, ob er nicht durch einen etwas reduzierten Fleischverzehr sowie die Konzentration auf regionale und saisonale Produkte der Umwelt etwas Gutes tun kann. Müssen wir wirklich das ganze Jahr über Erdbeeren essen?“, lautete eine der Fragen der Klimaschutzmanagerin. Weitere Informationen sind im Internet unter www.awa-gmbh.de sowie www.staedteregion-aachen.de/klimaschutz zu erhalten.

Quelle: Eschweiler Nachrichten vom 6. Oktober 2014