Halle des Berufskollegs wird zum Obdach auf Zeit für 150 Flüchtlinge

Städteregion muss weitere 500 Flüchtlinge aufnehmen. 150 davon kommen nach Eschweiler. Die Stadt wird für die Betreuung der Menschen nicht herangezogen.

146 Flüchtlinge warten derzeit in der Sporthalle Jahnstraße darauf, eine neue, sichere Heimat zu finden. Jetzt machen sich weitere 150 Flüchtlinge auf den Weg nach Eschweiler. Am Montagabend sollen sie zur Erstaufnahme die Sporthalle des nahen Berufskollegs beziehen.

Sporthalle
146 Flüchtlinge sind derzeit in der Sporthalle Jahnstraße (1) untergebracht. Ab Montag verdoppelt sich die Zahl: Weitere 150 Menschen finden in unmittelbarer Nähe in der Sporthalle des Berufskollegs (2) Obdach. Die dient jetzt der Städteregion als Erstaufnahmeeinrichtung. Archivfoto: R. Müller

 

Terror und Gewalt in den von Kriegen heimgesuchten Ländern nehmen dieser Tage immer dramatischere Formen an. Jeden Tag kommen tausende Flüchtlinge in die Bundesrepublik Deutschland, um hier Schutz zu suchen. Die Kapazitäten in den zentralen Unterbringungseinrichtungen und den Notunterkünften des Landes sind schon seit Wochen erschöpft.

Um die konkret drohende Obdachlosigkeit von Flüchtlingen zu verhindern, hat das Land Nordrhein-Westfalen die Städteregion jetzt aufgefordert, bis spätestens nächsten Montag noch einmal 500 Notunterkunftsplätze zu schaffen.

Noch fehlen 100 Plätze

Es handelt sich bereits um das zweite Amtshilfeersuchen. Erst vor drei Wochen war die Städteregion aufgefordert worden, 500 Plätze bereit zu halten.

„Die Städteregion Aachen ist sich ihrer Verantwortung bewusst, und wir mussten angesichts der anhaltenden Flüchtlingsströme davon ausgehen, dass wir eine erneute Aufforderung des Landes erhalten würden. Dass diese aber schon nach so kurzer Zeit kommt, zeigt wie uns, wie angespannt die Situation ist“, sagte Städteregionsrat Helmut Etschenberg. „Da wir nicht über andere geeignete Liegenschaften verfügen, bleibt uns nichts anderes übrig, als zunächst auch die Turnhallen der Berufskollegs in Herzogenrath und Eschweiler zur Verfügung zu stellen. Dort können voraussichtlich insgesamt 300 Plätze geschaffen werden.“ Um weitere 100 Plätze kann die ehemalige Liegenschaft des Bundes in Monschau-Höfen aufgestockt werden. Wo die dann noch fehlenden 100 Plätze eingerichtet werden, ist noch nicht abschließend geklärt.

Aufruf zu Solidarität

Für Etschenberg ist es trotz der krisenhaften Zuspitzung der Anzahl neuankommender Flüchtlinge wichtig zu betonen, dass es sich bei den Unterkünften in den Turnhallen nur um eine Zwischenlösung handeln kann. Sein Ziel ist es, möglichst zeitnah ausreichend Kompensationsplätze anbieten zu können, um die Hallen wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zuzuführen – wissend, dass dies eine große Herausforderung sein wird.

Da die neu ankommenden Flüchtlinge ins Kontingent der Städteregion zählen, muss auch die Betreuung dieser Menschen von der Städteregion geleistet werden. Auf Unterstützung durch ehrenamtliche Mitarbeiter freier Organisationen kann die Städteregion dabei kaum bauen: Die haben in Eschweiler keine Kapazitäten mehr frei. Also muss das eigene Personal ran: Schon jetzt, so Städteregionssprecher Detlef Funken, arbeiten 260 Mitarbeiter der Verwaltung in drei Schichten rund um die Uhr.

Zur ärztliche Untersuchung der Ankommenden, die bisher ausschließlich von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes vorgenommen wurde, kann die Städteregion inzwischen auf eine Liste von Ärzten zurückgreifen, die bereit sind, mitzuhelfen. Die Ärzteteams müssen übrigens inzwischen nicht mehr bei Ankunft der Flüchtlingsbusse bereit stehen. Hier war es in der Vergangenheit zu langen Wartezeiten für die Teams gekommen. Detlef Funken: „Es genügt, wenn entsprechend geschulte Rettungssanitäter sich die Menschen ansehen und die eigentliche Untersuchung am Tag darauf erfolgt. Die Menschen kommen in der Regel ja bereits aus irgendeiner Einrichtung, wo man sich ihrer angenommen hat, und nicht direkt von der Grenze. Bisher haben wir nur sehr wenige Krankheitsfälle festgestellt.“

Immer problematischer wird es auch, Betten für die Flüchtlinge zu beschaffen. „Das geht nur über persönliche Beziehungen und gute Netzwerke“, so Funken.

Er appelliert an alle Helfer, ihr vorbildliches Engagement aufrechtzuerhalten. Die betroffenen Vereine und Sporttreibenden bittet er um Solidarität mit den Flüchtlingen.

Quelle: Eschweiler Zeitung vom 09. Oktober 2015