Da rücken eben alle zusammen

Die Sporthallen an der Jahnstraße und am Berufskolleg dienen als Flüchtlingsunterkünfte. Stadt: Vereine und Schulen zeigen Verständnis für eingeschränkte Trainingszeiten. Ausgefeilte Ersatzkonzepte.

Mindestens 400 kommunale Sporthallen in Nordrhein Westfalen werden bis Jahresende für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt und stehen deshalb dem Vereins- wie auch dem Schulsport nicht zur Verfügung. Dies prognostiziert der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW, Dr. Bernd Jürgen Schneider. Er weist darauf hin, dass vor allem Sportarten wie Handball und Tischtennis unter Problemen zu leiden hätten – Sportarten, die zwingend auf Hallen angewiesen seien.

Flüchtlingsunterkünfte
Fallen auf unbestimmte Zeit für Vereins- und Schulsport aus: die Sporthalle Jahnstraße

In Eschweiler sind es zwei Hallen, die als Erstaufnahmeeinrichtungen dienen: Bereits seit Ende August ist die Sporthalle Jahnstraße Unterkunft für bis zu 150 Flüchtlinge, die nach einigen Wochen von hier aus ihren künftigen Wohnorten zugewiesen werden. Seit Mitte Oktober trifft dies auch auf die Sporthalle des Berufskollegs zu. Hier hat die Städteregion 150 Flüchtlinge untergebracht.

Die Schließung der Sporthalle Jahnstraße betrifft mehr als ein Dutzend Schulen, Vereine und Institutionen, die die Halle sonst regelmäßig nutzen: die Evangelische Grundschule Stadtmitte, die Adam-Ries-Schule und die DonBosco-Schule, den Awo-Kindergarten und das Jugendamt der Stadt Eschweiler, die ESG Handball, den Eschweiler Turnverein, die ESG Turnen, den Eschweiler Boxclub, den TFB Röhe, die Kendo-Abteilung des Budo-Clubs, die ESG Fußball, die Jugend des SCB Laurenzberg, die Jugend von Germania Dürwiß und den Marokkanischen Kulturverein.

Den Schulklassen konnte die Stadt Zeiten in anderen Hallen anbieten, wie die Verwaltung jetzt dem Sportausschuss vorlegte: Die Don-Bosco-Schüler üben ihren Sport nun unter Verzicht auf drei Unterrichtsstunden wöchentlich in der Halle der KGS Dürwiß aus. Die EGS Stadtmitte verzichtet auf vier Unterrichtsstunden pro Woche und trainiert nun teilweise in Dürwiß, teilweise an der KGS Röhe. Und die Adam-Ries-Schüler weichen ebenfalls in die KGS Röhe aus – müssen dabei allerdings auf insgesamt 13 Unterrichtsstunden pro Woche verzichten.

Für die Fahrten zu den Sporthallen und zurück hat die Stadt ein Busunternehmen beauftragt – die Rechnung geht ans Land.

Flüchtlingsunterkünfte
Fallen auf unbestimmte Zeit für Vereins- und Schulsport aus: die Sporthalle des Berufskollegs

Den Vereinen, die die Jahnhalle durchgehend jährlich nutzen, hat die Stadt Ersatzzeiten in anderen städtischen Sporthallen angeboten. Allerdings, so betont die Verwaltung, war das aufgrund der starken Belegung in den einzelnen Halle nicht im bisher gewohnten zeitlichem Umfang möglich. „Einige Vereine haben das Angebot der Verwaltung angenommen, andere haben zum einen durch Änderung ihrer Trainingspläne die Fehlstunden aufgefangen oder zum anderen in Eigeninitiative anderweitige Sportstätten gefunden. Mit den Vereinen, die die Jahnhalle nur in den Wintermonaten nutzen (ESG Fußball, SCB Laurenzberg, Germania und Marokkanische Kulturverein), führt die Stadt noch entsprechende Gespräche. „Weder seitens der Schulen“, so betont die Stadt, „noch von den Vereinen wurden Beschwerden über die Vorgehensweise an die Stadt herangetragen; alle Nutzer brachten Verständnis für die getroffenen Maßnahmen auf.“

Zu den Betroffenen der Schließung der Berufskolleghalle zählen vor allem die Handballer, Turner und Volleyballer der ESG. „Gerade für die Vereine ESG Handball und ESG Turnen war eine Bereitstellung von Nutzungszeiten extrem wichtig, da sich diese Vereine durch eine überdurchschnittlich hohe Jugendarbeit auszeichnen“, betont die Stadt. In einem Gespräch mit den Vorständen, an dem auch Bürgermeister Rudi Bertram teilnahm, legte die Verwaltung ein Konzept mit Ersatz-Trainingsmöglichkeiten vor, das die Vereine dann auch akzeptierten. Ein Konzept, das sich allerdings nicht umsetzen lässt, ohne weitere Vereine zu beeinträchtigen. Im einzelnen bedeutet dies: Der Leichtathletik-Sportgemeinschaft Eschweiler wurden die Trainingszeiten um zwei Stunden gekürzt, der Budo-Club verzichtet auf eine Trainingsstunde. Die KG Ulk Hehlrath musste ihre Trainingszeit auf einen anderen Tag verschieben, und für den Modell-Flug-Club, den Motor-Sport-Club Grenzland, die Leichtathleten der Germania Dürwiß, die Betriebssportgemeinschaft der Stadt Eschweiler und die Fußballer der ESG fallen Trainingszeiten weg. Auch für Turniere und Stadtmeisterschaften wurden Ersatztermine gefunden.

UWG-Sprecher ManfredWaltermann sprach im Sportausschuss das aus, was alle dachten: „Hier wurden mit allen Betroffenen Lösungen gefunden, bei denen jeder ein wenig von seinem Besitzstand abgibt. Das ist vorbildlich!“ SPD Sprecher Ugur Uzungelis unterstrich dies: „Wir sollten allen Beteiligten einmal öffentlich Danke sagen!“

Quelle: Eschweiler Zeitung vom 19. November 2015